Offener Brief an Herrn Dieter Gorny

Auf folgenden Artikel möchte ich gerne mit einem offenen Brief an Herrn Gorny reagieren:

Sehr geehrter Herr Gorny,

sie werden an dieser Stelle mit folgenden Worten zitiert:

“Die Verwertungsgesellschaften sind Vereine, die von den Künstlern selbst ins Leben gerufen wurden.” Aus einem einfachen Grund, wie Gorny betont: „Sie möchten für ihre kreative Arbeit fair bezahlt zu werden.“

Meiner Meinung nach hängt die Gründung der GEMA zwar schon mit fairer Bezahlung zusammen, aber wenn man weiß, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, dann wird einem auch schnell klar, dass die GEMA vor allem dazu da ist, die Rechte der Komponisten zu bündeln, da diese dann eine viel stärkere Position haben. Der Zusammenschluss zur GEMA fand also letztlich vor allem deshalb statt, weil man als Einzelkämpfer noch weiter untergeht.

Dieser Unterschied ist aber in der öffentlichen Darstellung natürlich ein ganz gewaltiger. In ihrer Darstellung der Sichtweise geht’s um Bezahlung, in meiner geht’s um Solidarität und Stärkung der Position von Künstlern.

Gorny fordert kostenloses W-LAN für jeden Bürger.

GEMA – Der Kampf der machtlosen Autoren

Gestern Abend hat “Anonymous” eine DDOS Attacke gegen die GEMA gestartet. Pünktlich zur jährlichen GEMA Hauptversammlung.

Was die übermotivierten Aktivisten allerdings immer wieder übersehen ist, dass es sich bei der GEMA um einen Verein der Musikautoren handelt. Und das sind eben nicht nur “die großen”, sondern das sind auch kleine Künstler.

Und auch im Verhältnis Youtube (Auslöser des ganzen Dramas) – Autoren ist Youtube nicht die arme Plattform, die es zu unterstützen gilt. Sondern Youtube ist ein Unternehmen, dass sich am Markt platziert und möglichst viel Marktanteile und Umsatz generieren möchte. Erreicht wird das durch Inhalte, die die Nutzer zur Verfügung stellen. Also im Grunde genommen bereichert sich Youtube durch die Beiträge der Nutzer. Und wenn es auch im Moment noch defizitär sein sollte, so ist das eine unternehmerische Entscheidung von YouTube. Ich persönlich bin davon überhaupt nicht überzeugt, da niemand die offiziellen Zahlen kennt und ich sehe es nicht ein, warum ich einem Unternehmen wie Google einfach so alles glauben soll, was es behauptet. Das mache ich bei General Electric ja auch nicht. Oder Siemens.

Diese ganze Debatte ist leider immer wieder überschattet von Neid: ach, die blöden Künstler verdienen ja eh Millionen mit ihren Songs. Aber das ist eben nicht die Wahrheit.

Aus User Sicht kann ich nur sagen: ja, klar, ich möchte allen Content haben, den es gibt und natürlich möchte ich dafür so wenig wie möglich bezahlen. Aber die Welt funktioniert so nicht beziehungsweise geht an sowas zugrunde. und die Enttäuschungen über die Donation models, die Merchandising Models und was es sonst noch so alles gibt ist groß bei den Kreativen.

Und wenn es jetzt langsam mal die Journalisten erreicht, vielleicht ändert sich dann auch der Ton in der Berichterstattung der Massenmedien.

Kreative – seid wachsam

Gerade habe ich drüben bei netzwertig.com ein interessantes Interview gelesen. Diese Aussage von Roman Scharf (www.talenthouse.com) kam mir dabei etwas befremdlich vor:

Worum geht es bei Talenthouse?
Talenthouse ist die nächste Generation von Crowdsourcing. Klassische Crowdsourcing-Plattformen gibt es viele (von 99 Designs bis Crowdspring). Die Idee bei diesen ist, dass Kreativarbeit ins Netz ausgelagert wird und dass jeder User eigene Vorschläge einbringen kann. Auftraggeber starten ein Projekt – zum Beispiel für ein Logo oder T-Shirt-Design – und wählen anschließend aus allen Einsendungen ihren Favoriten. Der Ersteller erhält dann ein Honorar. Der Zweck ist also, dem Auftraggeber eine Auswahl und dem Künstler ein paar 100 Dollar Einkommen zu verschaffen.. Hier weiterlesen

Es ist wie immer: der Künstler bekommt für die Definition eines Lebensgefühls ein Almosen, verglichen mit dem, was mit der kreativen Arbeit erwirtschaftet werden wird.

In diesem System gibt es nur einen Gewinner: das Unternehmen, das die Leistung crowdsourced. Es geht keinerlei Risiko ein, sichert sich per AGB oftmals sogar noch Rechte an den Einsendungen, die nicht gewinnen und bekommt für einen minimalen Bruchteil dessen, was bei einem normalen kreativen Unternehmen bezahlt werden müsste eine Leistung, die oftmals gleichwertig mit der einer großen Agentur ist, da ja die Künstler meist dort auch als Freelancer arbeiten.

Warum eine ganze Generation Kreativer nicht erkennt, dass Unternehmen wie Youtube, Facebook, Flickr etc tatsächliches Geld verdienen durch die Inhalte, die wir alle so freizügig zur Verfügung stellen, liegt nicht im Bereich meiner Vorstellungskraft. Und gleichzeitig haben diese Unternehmen es auch noch geschafft, die Nutzer darauf zu trimmen, ihr eigenes Copyright völlig falsch einzuschätzen und zu bewerten.

I’m going

I am working on leaving Facebook and Twitter. The main reason is, that I want to have my data, comments and content still available once these companies decide to change their service in ways, that I might not like.

That will happen and does happen:

http://www.staynalive.com/2011/05/twitter-and-facebook-both-quietly-kill.html